Konzertreise nach Polen [1] [2] [PDF]
Von Reinhild Moll
„Kunst ist schön“, hat Karl Valentin mal gesagt, „macht aber viel Arbeit“. Dasselbe gilt für die Musik. Und wie viel mehr Arbeit macht sie erst, wenn sie auf Reisen geht! So geschehen in den ersten Oktobertagen, als Berlins Schüler und Lehrer Ferien hatten: Unsere Berliner Kantorei machte sich zum Singen auf ins Nachbarland Polen, gemeinsam mit dem Schöneberger Kammerorchester (seit zwei Jahren in der Grunewaldgemeinde beheimatet), mit Gesangssolisten, Pauken und Trompeten, mit Orgel und Kontrabass, Kind und Kegel. 140 Personen insgesamt, zwei Doppeldeckerbusse und ein Anhänger.
Ferien waren das nicht, aber so war es auch nicht gemeint. Chor und Orchester unter Sabine Wüsthoff und Günter Brick hatten dieses Projekt geplant, um die östlichen Nachbarn kennen zu lernen, persönliche Kontakte zu knüpfen und mit Bach und Mozart ein musikalisches Angebot zu machen, das aus einigen der Nachbarn Freunde werden lassen könnte.
Es war, nach Italien (2000) und Estland (2002) die dritte gemeinsame Reise der beiden Ensembles. Das bedeutet inzwischen viele vertraute Gesichter, gemeinsame Erinnerungen und eine durch Erfahrungen gewitzte Organisation. Aber so minutiös alles auch geplant und durchorganisiert ist mit größtem Engagement und Gewissenhaftigkeit der freiwillig Verantwortlichen Überraschungen gibt es doch immer wieder. Die erste traf gleich bei der Abreise den Fahrer des ersten Busses. Ein Orchester hatte er noch nie transportiert, und da stand er nun am Freitag Morgen mit Bus und Hänger vor der Grunewaldkirche und sollte 70 Menschen mit Gepäck, mehrere Kinderwagen, eine Orgel, eine Ladung Chorpodeste, zwei unhandliche Pauken und einen sensiblen Kontrabass verladen. Beim ersten Mal war er noch etwas nervös, jeden weiteren Transport im Verlauf der Reise meisterte er aber souverän.
Eine positive Überraschung war Breslau. Wohl die wenigsten hatten erwartet, in dieser vom Krieg übel zugerichteten Stadt einen so prachtvoll wieder aufgebauten Altstadtkern vorzufinden. Vor allem der große Altmarkt mit dem Rathaus als Prunkstück mittendrin und den bunten Bilderbuchfassaden ringsum begeisterte. Die Nächte waren noch warm, viel junges Volk war unterwegs (150 000 Studenten bei 650 000 Einwohnern!), die zahlreichen Straßencafés und das gute polnische Bier machten das Wohlgefühl komplett.
Im modernen, voll besetzten Hotel dann das Kontrastprogramm. Die räumlichen Verhältnisse verlangten vollen Körpereinsatz: Aufbau zur Probe, Umbau zum Essen, dann wieder andersherum und so fort. Nicht allen hat das geschmeckt das reichhaltige Büffet morgens und abends dafür umso mehr.
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